Was für eine Baumhaus-Lovestory!

Was für eine Baumhaus-Lovestory!


Während des Interviews mit Vitus Wahlländer, dem neuen Auszubildenden bei Baumbaron, hat er mich oft zum Lachen gebracht. Vitus ist einfach ein sehr humorvoller Kerl mit einem großen Herz für Baumhäuser.

Dies ist auch das erste Mal, dass ich jemanden vom Baumbaron Team vorstelle, gleichzeitig soll es der Beginn einer Jahrhunderte alten Tradition sein. Warum ich ihn zuerst ausgewählt habe? Kurz bevor Vitus zu Baumbaron gestoßen ist, baute er parallel zu seiner Bachelorarbeit sein eigenes Baumhaus. Und dazu wollte ich ein bisschen mehr wissen.

Die Idee zu einem eigenen Rückzugsort in den Bäumen kam ihm schon viel früher, als Vitus mit ein paar guten Freunden in einem nahegelegenen Wald anfing, ein Baumhaus aus Fallholz zu bauen. Er erzählte mir von diesem magischen Ort, der verborgen unter einer alten Buche lag, neben dem ein idyllischer Bergbach floss. Woche für Woche traf er sich dort mit Freunden am Lagerfeuer, lud Freunde ein, machte Musik, lauschte der Natur, träumte vor sich hin und baute nach Lust und Laune am Haus weiter. Jeder war zutiefst begeistert von diesem geheimnisvollen Ort.

Der Wendepunkt in Vitus Leben: „Das war der Punkt, an dem ich in mich ging und mir klar wurde, dass ich Baumhäuser bauen will – ich wollte mehr von diesen magischen Orten erschaffen.“ Das Schicksal nahm seinen Lauf. Mit viel Glück durfte er seine Abschlussarbeit im Bauingenieurwesen über Baumhäuser und deren Befestigung im Baum schreiben: „Das motivierte mich endgültig und so fing ich auch gleich mit der Planung meines ersten eigenen Häuschens an.“ Und darüber erzählt er uns hier:

 

Vitus, wie hast Du dein Projekt geplant?
Die Trägerkonstruktion habe ich mit SketchUp entworfen, so bekam ich ein Gefühl für die Proportionen. Den Rest habe ich dann peu á peu per Hand gezeichnet und vor Ort improvisiert.

Wie bist Du es dann angegangen?
Mit Bleistift, Ruhe und Gemütlichkeit. Da das Baum- bzw. Stelzenhaus unweit vom Haus meiner Eltern steht, habe ich mir zuallererst überlegt welche Funktion das Häuschen überhaupt haben soll. Klar war, es sollte eine Ruheoase werden, also ein besonderer, von der „Alltagswelt“ abgekapselter Ort, an dem man Beine und Seele baumeln lassen kann. Ein Schlafplatz und Zeltlfeeling war mir auch sehr wichtig. Folglich nahm ich ein kuschliges Bett als Grundlage und plante drum rum ein simples Häuschen mit möglichst offener Struktur.

Welche Materialien hast du verwendet?
Das bewitterte Holz, sprich Dachschindeln, Terrasse und Außenfassade sind aus hiesigem Lärchenholz, für den Rest habe ich Fichte verwendet. Für die Innendachschalung habe ich auch Lärche verwendet, dadurch entsteht ein toller Kontrast zwischen dem rötlichen Holz und den hellen Fichtensparren.

Hattest du Helfer?
Ein Haufen Freunde, ein paar Nachbarn und meine Familie – so macht Arbeiten richtig Spaß! Danke nochmal für die tatkräftige Unterstützung!

Wie hast du eigentlich das passende Grundstück gefunden?
Das Haus steht in einer lauschigen Ecke im Grundstück meiner Eltern in der Schlierseer Region. Direkt daneben plätschert ein kleines Bächlein das dann in einer Höhle verschwindet. Leider stehen die große Esche und der Ahorn auf dem Nachbargrundstück, daher wurde auf Stelzen gebaut.

Verrätst du uns, wie lange Du für den Bau gebraucht hast?
Länger als gedacht – Klassiker.

Welche Erfahrungen hast du beim Baumhausbau gewonnen?
Ich habe erfahren, wie befreiend es ist, ein Handwerk auszuüben, wie befriedigend es ist am Feierabend genau zu sehen und auch zu spüren was man geschafft hat.

Für mich war das Projekt somit definitiv ein Wendepunkt in meinem Leben. Die Vorstellung nach meinem Studium in einem Ingenieurbüro vor einem PC zu verschrumpeln hat mich schon immer abgeschreckt. Ich dachte mir: Wenn schon verschrumpeln, dann an der frischen Luft.

Wie es das Schicksal so wollte, lernte ich dann während meiner Bachelorarbeit den Baumhausbauer Johannes Schelle (Baumbaron) kennen und wenig später war mir klar, dass ich hierin meine Berufung gefunden habe und meinem Traumjob nur noch einen Schritt weit entfernt war. Mittlerweile bin ich ein stolzes Mitglied der Firma Baumbaron, mache eine Lehre zum Zimmermann und bin überglücklich damit! Die Verbindung aus Holz, Handwerk, kreativem Freiraum und frischer Luft ist genau das wonach ich schon immer gesucht habe!

Alles in allem hab ich einmal mehr gelernt wie wichtig es ist seinem Bauchgefühl zu vertrauen und sich einfach von seinen eigenen Träumen treiben zu lassen, anstatt nur auf die Vorstellungen und Bedenken anderer zu achten!

Was würdest Du sagen, ist das Besondere an Deinem Baumhaus?
Das ist natürlich Ansichtssache: Für mich fängt das Besondere schon auf dem Weg zum Baumhaus an, ich watschle durch den Garten, vorbei an der Feuerstelle, über einen kleinen Pfad der einen zum Stelzenhaus führt. Über mir hängt eine selber gebastelte Lichterkette aus Kokosnüssen die mir nachts den Weg zeigt. Schritt für Schritt lass ich den Alltag hinter mir und gelangt schließlich auf die Terrasse, begleitet vom Vogelgezwitscher und dem Rascheln der Blätter ertönt langsam das sanfte Gluckern des Bachs. Dann öffne ich alle Türen, lege mich hin und sehe der Sonne zu, wie sie über die Bergspitzen wandert… das Häuschen ist für mich ein Epizentrum der spartanischen Gemütlichkeit.

Im Haus selber habe ich ein paar kleine Schmankerl eingebaut: Da sind die Schiebetüren aus alten Fenstern, die auf ausgedienten Rollerblades hin und hergeschoben werden können; da ist die Wand die man mit Hilfe einer Kurbel absenken kann, sodass ein kleiner Tresen entsteht; da ist ein Bodenfenster, eine beleuchtbare Discokugel deren Reflexionen nachts durch die Blätter tanzen, usw. usf.

Hat Dein Baumhaus eigentlich einen Namen?
„Bachstelzen“, war irgendwie naheliegend: ein Bach, ein Haus auf Stelzen, viele Vögelchen und gute Erinnerungen an die Fusion!

Und hattest Du als Kind auch schon ein Baumhaus?
Da ich das Glück habe, auf dem Land aufgewachsen zu sein, gab es immer irgendwo ein verstecktes Baumhaus zum Rumtoben und Träumen: von maroden Aussichtsplattformen bis hin zu immer größer werdenden Bretterbuden – allesamt magische Orte, an die man sich gerne zurückerinnert.

Wie würde es Dir gefallen, permanent in einem Baumhaus zu wohnen?
Für mich gibt’s nichts Schöneres! Letzten Sommer habe ich ganze drei Monate in meinem Häuschen gewohnt. Ständig kamen Freunde zu Besuch, wir haben Musik gemacht, über dem Schachbrett gegrübelt, gelesen, geweint, gelacht und Schabernack gemacht.

Auch die einsamen Nächte sind unheimlich interessant: man schläft ja quasi im Freien, man spürt jede Temperaturänderung, liegt wach wenn ein Gewitter tobt; man hört jedes Geräusch, hört Tiere krabbeln und Äste knacksen und wacht in der Morgendämmerung zusammen mit den Vögeln und Eichhörnchen die über das Dach spazieren auf. Nach einiger Zeit gleicht sich der Körper diesem Rhythmus der Natur an. Dieses Lebensgefühl ist so zünftig, dass es mir richtig schwer fiel wieder in einem normalen Haus zu schlafen.

Was darf in Deinem Baumhaus auf keinen Fall fehlen?
Ein Bild von Lothar Matthäus.

Welchen besonderen Menschen lädst Du gerne in Dein Baumhaus ein und warum?
Geerdete Menschen die gern Lachen und Blödsinn im Kopf haben.

Gibt es auch jemandem, dem Du den Zugang verwehren würdest?
Parkzettelverteiler. Darum.

Welche Band steht an einem Freitagabend vor Deinem Balkon und gibt Dir ein Privatkonzert?
Vulfpeck mit Helge Schneider – wie geil wär das denn!

Was ist für Dich der ideale Baumhausdrink?
Kafföö

Was wäre für Dich der passende Baumhausproviant?
Nüsse. Hab ich mir von den Eichhörnchen abgeschaut.

Welche Lektüre nimmst Du mit in Dein Baumhaus?
Shades of Grey.

Und für was steht ein Baumhaus für Dich?
Es steht für diesen magischen Ort von dem ich vorher schon geredet habe. Ich weiß nicht woran es liegt, aber so ein großer Baum strahlt etwas ganz besonderes aus. Er hat so etwas beruhigendes, wie das Knistern eines Lagerfeuers, das Rauschen des Meeres oder das Funkeln der Sterne. Die Nähe zu dem alten Riesen und das über-dem-Boden-sein sind etwas unbeschreiblich Schönes!

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Weitere Interviews findet ihr hier:

The Tree Walker 
Moki
Matt & Roxy 

 

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Fotos mit allerfreundlichster Genehmigung von Vitus Wahlländer

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